Gelungene Metamorphose - Das Wohnquartier Delft-Bomenwijk
Foto © Röben/Jannes Linders/Steenhuis Bukmann ArchitectenRund siebzig Jahre nach seiner Entstehung ist das Delfter Wohnquartier Bomenwijk zuletzt umfassend modernisiert und nachverdichtet worden. Der Röben Keramik-Klinker OSLO perlweiß betont den hellen und freundlichen Charakter der neu hinzugefügten Häuser. Zur Gestaltung der Sockel kam der Röben Klinker FARO schwarz-nuanciert zum Einsatz.
Das Delfter Wohnquartier Bomenwijk ist zwischen 1949 und 1951 nach Plänen der renommierten niederländischen Architekten Willem van Tijen und Hugh Maaskant entwickelt worden. Die locker bebaute Gartenstadt wurde seinerzeit mit rund 550 Wohnungen geplant und zeigt dabei beispielhaft die Prinzipien der niederländischen Nachkriegsarchitektur auf. Nach rund siebzig Jahren Nutzung und trotz einer umfassenden Sanierung in den 1980er-Jahren war das Quartier zuletzt deutlich in die Jahre gekommen und entsprach in mehreren Bereichen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Entsprechend hatte die verantwortliche Wohnungsbaugesellschaft Vestia (heute „Stedelink“) bereits 2007 das vor Ort ansässige Büro Steenhuis Bukman mit der Entwicklung eines überarbeiteten Masterplans zur Modernisierung und Nachverdichtung der Siedlung beauftragt.
15 Jahre später ist das langfristig angelegte Projekt endgültig fertiggestellt. „Ein großer Teil der Einheiten steht dabei nach wie vor als Sozialwohnungen zur Verfügung“, wie Architekt Marc Bukman erklärt. „Um eine verbesserte Nutzung des Areals zu ermöglichen, sind aber rund 300 Wohnungen komplett abgebrochen und durch moderne Reihenhäuser und Doppelhäuser mit vielfältigen Grundrissen ersetzt worden. Parallel dazu haben wir einen vier- bis fünfgeschossigen Gebäudekomplex mit Galerieerschließung ergänzt, der auch als Lärmschutz in Richtung der direkt angrenzenden Autobahn A13 fungiert.“
Helle Klinkerfassaden
Zur Ausbildung der Fassaden der unterschiedlichen Neubauten kamen die beiden Röben Klinker OSLO perlweiß und FARO schwarz-nuanciert zum Einsatz. Im Zusammenspiel hat sich ein markanter Hell-Dunkel-Kontrast ergeben, der auf den ersten Blick den modernen Charakter der Bebauung unterstreicht. Zusätzlich betont wird der Eindruck durch die Wahl einer weißen bzw. schwarzen Fugenfarbe sowie durch die Ausbildung des Mauerwerks im homogenen Läuferverband.
In den Eingangsbereichen der Reihenhäuser haben die Architekten diese Strategie variiert. Hier wurde das helle, im Stapelverband erstellte Mauerwerk oberhalb des dunklen Sockels bis zur oberen Kante des Erdgeschosses dunkel verfugt, um so ein kontrastreiches Fassadenbild zu erreichen. „Auch bei anderen Details wie Gartentoren, Brüstungen, flach geneigten Dachflächen, weiten Dachüberständen und Schornsteinen haben wir ganz bewusst die ursprüngliche Idee des Quartiers aufgegriffen und eine Gestaltung angestrebt, die deutlich den Optimismus der Wiederaufbauzeit ausstrahlt“, erklärt Marc Bukman das Konzept.
Planung: Steenhuis Bukman Architecten, Delft (NL)
Drei Fragen an Marc Bukman über die Modernisierung des Delfter Wohnquarties Bomenwijk
Herr Bukman, das Delfter Wohnquartier Bomenwijk greift beispielhaft die Prinzipien der niederländischen Nachkriegsarchitektur auf. Was zeichnet die Bebauung bis heute aus?
Marc Bukman: Das Quartier wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg als Antwort auf den damaligen Wohnungsmangel fertiggestellt. Es umfasst unterschiedlich große Blöcke mit Reihenhäusern, Doppelhäusern und Verandawohnungen, die in sich in versetzt angeordneten Reihen um ein gemeinsames Gemeindezentrum gruppieren. Charakteristisch für den städtebaulichen Entwurf ist außerdem die abwechslungsreiche Staffelung der Gebäudehöhen. Sämtliche Baukörper waren seinerzeit in Modulbauweise mit vorgefertigten Kassettenfassaden aus Beton und Backstein errichtet worden, um mit einer verkürzten Bauzeit der hohen Wohnungsnachfrage zu begegnen.
Aufbauend auf Ihre Planung ist das Quartier mittlerweile umfangreich modernisiert worden. Welche Prinzipien haben Sie dabei verfolgt?
Marc Bukman: Um eine verbesserte Nutzung zu ermöglichen, wurde ein Teil der Wohnungen abgebrochen und durch moderne Reihenhäuser und Doppelhäuser ersetzt. Im Zentrum des Quartiers finden sich dadurch deutlich weniger Wohneinheiten, während wir in den Randbereichen eher nachverdichtet haben, um das Areal so besser an die Stadt Delft anzubinden. Zusätzlich entstanden sind zwei Wohntürme, ein neuer Supermarkt, verschiedene Ladengeschäfte in den Erdgeschossen sowie eine Tiefgarage, um so den heute deutlich höheren Bedarf an Parkplätzen zu erfüllen. Ebenfalls ergänzt haben wir einen großen Gebäudekomplex mit Galerieerschließung, der auch als Lärmschutz in Richtung der Autobahn A13 fungiert. Charakteristisch für diesen Neubau ist eine moderne und einladende Architektur mit viel Glas in Verbindung mit einer hellen Klinkerfassade und einem dunkel abgesetzten Sockel. Komplettiert wird die Planung durch einen neu angelegten Wasserlauf, der einen wichtigen Beitrag zum Wasserhaushalt vor Ort leisten soll.
Welche Gründe sprachen für die Verwendung der Röben Klinker?
Marc Bukman: Bei der Materialsuche für die unterschiedlichen Neubauten haben wir nach einem hochwertigen weißen Stein gesucht, der die Anmutung der ursprünglichen Architektur aufgreift und der entsprechend auch wirklich weiß, und nicht bloß gelblich-weiß ist. Und für die farblich abgesetzten Sockel schwebte uns gleichzeitig ein möglichst dunkler Stein vor. Nach intensiver Suche sind wir auf die beiden Röben Klinker OSLO perlweiß und FARO schwarz-nuanciert gestoßen. Mehr schwarz und mehr weiß geht eigentlich nicht! Im Ergebnis hat sich ein markanter Hell-Dunkel-Kontrast ergeben, der genau unseren Vorstellungen entspricht. Hinzu kommt, dass die weißen OSLO-Klinker auch völlig unempfindlich gegenüber Verschmutzung und gegen Staubpartikel der angrenzenden Autobahn sind: Denn die für den Stein verwendeten Westerwald-Tone bieten eine Wasseraufnahme von deutlich unter zwei Prozent, so dass der gebrannte Klinker so gut wie keine Feuchtigkeit mehr aufnimmt. Das bedeutet, dass Schmutzpartikel, die sich oberflächlich auf dem glatten Klinker absetzen, vom nächsten Regen einfach wieder abgewaschen werden