Klinker
LYON
blaugrau

Klare Kante - Rathaus Delbrück

Foto © Röben/Cornelia Suhan

D​​as neue Rathaus der Stadt Delbrück überzeugt durch seine vom Architekturbüro Alhäuser aus Elkenroth zeitlos gestaltete Klinkerarchitektur. Der Röben Keramik-Klinker LYON blau-grau greift dabei die spezielle Bruchsteinstruktur der Böden in der Region um Paderborn auf.

Die 30.000 Einwohner zählende Stadt Delbrück bei Paderborn hat ein neues Rathaus erhalten. Der einladend gestaltete, nach Süden leicht abgetreppte Klinkerneubau beherbergt auf vier Ebenen 63 moderne Büroräume mit insgesamt 106 Arbeitsplätzen. Das obere Geschoss wurde dabei als Staffelgeschoss mit einer nach Süden vorgelagerten Dachterrasse ausgebildet. Zentral gelegen finden sich außerdem das Trauzimmer, das Sitzungszimmer und das offene Foyer mit seinem großen fünfeckigen Oberlicht. Um eine maximale Funktionalität sicherzustellen, können die drei Räume durch eine mobile Wand zu einer multifunktionalen Fläche von rund 280 Quadratmetern verbunden werden. Beheizt wird das Gebäude durch eine Luft-Wärmepumpe, für eine nachhaltige Stromversorgung steht eine dachintegrierte Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 kWp zur Verfügung.

 

Offener Wettbewerb

Ausgangspunkt für die Planung war ein europaweit ausgeschriebener Wettbewerb im Herbst 2017, aus dem schließlich das Architekturbüro Alhäuser aus Elkenroth im Westerwald als Sieger hervorging. Im Frühjahr 2019 erhielten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt vom Rat die Möglichkeit, direkt über die Umsetzung der Planung zu entscheiden. Erst nach dieser Abstimmung konnte das Büro mit der Arbeit beginnen. Eine wichtige Rolle für die Ausgestaltung des Entwurfs spielte dabei die ungewöhnliche Grundstückslage: Nach Norden hin grenzt der Neubau an die Lange Straße im Geschäftszentrum von Delbrück, in Richtung der südlich verlaufenden Himmelreichallee trifft er auf ein Neubaugebiet mit Einfamilienhäusern und angrenzend auf eine unbebaute Wiese: „Ausgehend von diesem nicht ganz einfachen Standort haben wir von Beginn an die Vision eines 'Rathauses im Park' verfolgt, das kommunikativ in unterschiedliche Richtungen ausstrahlen sollte“, erklärt Architekt Paul Alhäuser, der das Büro gemeinsam mit seinem Sohn Philipp leitet. „Der Neubau soll ein Ort sein, der ein offenes Miteinander der Bürger ermöglicht, an dem man sich wie selbstverständlich begegnet.“

 

Auf Basis dieses Konzeptes entwickelten die Architekten einen polygonalen Grundriss mit fünf Sichtkanten. Der markant geformte Baukörper sucht bis auf die Ausbildung einer klaren Kante zur Langen Straße keinen unmittelbaren Bezug zu umliegenden Raumkanten. Eine wirkliche Rückseite entsteht so nicht, so dass sich der Bau zu allen Seiten transparent und einladend zeigt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die dem Gebäude vorgelagerten Plätze. Das Ergebnis ist ein präsenter und zentrumbildender Neubau, der deutlich zur Stärkung des Innenstadtgefüges beiträgt, indem er eine neue bürgerorientierte Mitte markiert. Die Gebäudekante in Richtung Lange Straße haben die Architekten dabei mit einer im Erdgeschoss zurückspringenden Eingangsfront hervorgehoben. „Der Einschnitt verleiht dem Baukörper eine subtile Plastizität und steht in einem spannenden Kontrast zu den flächigen Elementen der Fassade“, erklärt Philipp Alhäuser.

 

Kontrastreiche Fassadengestaltung

Großen Wert legten die Architekten auch auf eine hochwertige Gestaltung der großzügig geöffneten Lochfassaden mit ihrem regelmäßigen Achsraster. Um einen zeitlosen Charakter mit hoher Wertigkeit zu erzielen, wurde das Material Klinker bereits in der Ausschreibung vorgegeben. In enger Abstimmung mit der Bauherrin und nach einem Besuch der Ausstellung im Röben-Werk Bannberscheid fiel die Wahl auf den Röben Keramik-Klinker LYON blaugrau. Der Stein bietet neben hellen blaugrauen auch fast weiße und cremefarbene Farbnuancen in einem wohldefinierten Mischungsverhältnis und greift damit gezielt die für die Region typischen Baumaterialien auf. Die Fensterlaibungen sowie die zurückspringende Eingangsfront wurden im Kontrast grau eingefasst bzw. mit grauen Fassadenpaneelen abgesetzt.

 

Formziegel und Ziegelfertigteile

Für das Mauerwerk wurden insgesamt rund 60.000 Steine im Normalformat geliefert. Entsprechend dem pentagonalen Grundriss wurden außerdem spezielle Formziegel mit fünf unterschiedlichen Winkeln für die Gebäudeecken sowie drei weitere für das zurückliegende Staffelgeschoss angefertigt.

 

Oberhalb des Eingangsbereiches kamen zwei über die Gebäudeecke verlaufende, 15 Meter lange, aus jeweils sechs Segmenten bestehende abgehängte Stürze zum Einsatz. Auch die Fensterstürze wurden für einen schnellen Baufortschritt vorgefertigt; da sie jeweils mehr als drei Meter überspannen, aus statischen Gründen in einer Höhe von fünf Klinkerschichten. Insgesamt lieferte der Röben Fertigbau rund 100 Stürze mit einer Gesamtlänge von ca. 350 Metern.

 

Der lebendige „wilde Verband“ mit geschlemmten hellen Fugen betont den freundlichen, offenen Charakter des Neubaus und unterstreicht die öffentliche Funktion des Gebäudes sowie das Gesamtkonzept der Architekten.

 

Planung: Architekt Alhäuser, Elkenroth